Welcome and Goodbye – Fakten zu Onboarding und Frühfluktuation

Der erste Arbeitstag eines neuen Mitarbeitenden ist ein Moment voller Erwartungen – sowohl für das Unternehmen als auch für die neue Kollegin oder den neuen Kollegen. Doch was, wenn aus dem «Willkommen im Team» sehr schnell ein «Goodbye» wird? Frühfluktuation – also Kündigungen innerhalb der ersten Monate – ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein ernstzunehmendes Business-Problem.

In diesem Artikel werfen wir einen datenbasierten Blick auf die Realität hinter der Probezeit und zeigen, dass gutes Onboarding einen erheblichen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben kann.

Frühfluktuation – ein häufig unterschätzter Kostenfaktor

Zahlreiche Studien und Marktanalysen zum Thema «Kündigung innerhalb der ersten Monate» zeigen ein klares Bild:

  • 23 % der neuen Mitarbeitenden kündigen innerhalb des ersten Jahres (newployee.com).
  • 33 % suchen bereits in den ersten sechs Monaten nach einer neuen Stelle (qualee.com).
  • 55 % der Unternehmen messen die Effektivität ihrer Einarbeitungsmassnahmen nicht.  (hrchief.com).

Und das kann ganz schön ins Geld gehen: Die Kosten einer Fehlbesetzung, bzw. einer Auflösung des Arbeitsvertrages im ersten Jahr, werden je nach Branche auf das 1,5- bis 2-fache des Jahresgehalts geschätzt – ganz zu schweigen von verlorener Zeit aus diversen Gründen, entgangenem Know-how der Talente, Projektverzögerungen und Frust im bestehenden Team.

Warum aber gehen neue Mitarbeitende so schnell wieder?

Die Gründe sind unterschiedlich und vielfältig – und meist intern beeinflussbar. Wir fassen sie in vier Gruppen zusammen:

  1. Fehlende Struktur
    Ohne klares Onboarding-Programm fühlen sich viele neue Mitarbeitende im neuen Job verloren. Sie haben vielfach keinen Ansprechpartner und keinen klaren Fahrplan – nur ein leerer Kalender starrt ihnen vom Bildschirm stumm entgegen. Das schafft Unsicherheit, mit der viele Menschen nicht umgehen können und auch nicht wollen.
  2. Nicht erfüllte Erwartungen
    Laut einer Studie von Haufe verlassen viele Mitarbeitende das Unternehmen, weil die am neuen Arbeitsplatz vorgefundene Realität nicht zur Kommunikation und den Versprechungen im Recruiting-Prozess passt. Die dort beschriebene Unternehmenskultur oder Aufgabenbeschreibung stimmt einfach nicht mit der Realität überein. Daher ist es wichtig, dass die in der Bewerbungsphase kommunizierten Fakten auch wirklich den Tatsachen entsprechen. Mit falschen Versprechungen gute Mitarbeitende anzulocken, ist also keine erfolgversprechende Taktik. (haufe.de).
  3. Fehlender Anschluss
    Was häufig unterschätzt wird: Soziale Integration ist ein zentraler Faktor für das Bleiben oder eben Gehen. 28 % der Frühkündigungen erfolgen laut haufe.de, weil der «Cultural Fit» fehlt. Das ist eigentlich gar nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass der arbeitende Mensch täglich rund 8 -10h bei der Arbeit mit seinen Arbeitskolleginnen und
     -kollegen verbringt – das ist meist weit mehr Zeit als mit seiner eigenen Familie oder dem Partner/der Partnerin.
  4. Über- oder Unterforderung
    Ohne eine schrittweise Einarbeitung und Feedbackphasen entstehen bei neuen Mitarbeitenden schnell Frust oder Langeweile. Ohne richtige Instruktionen mit Aufgaben und Projekten überschüttet zu werden, ist dabei genauso frustrierend, wie ohne jegliche Arbeit zum Nichtstun verurteilt zu sein. Zu viele Aufgaben ohne Anleitung oder zu wenig sinnvolle Arbeit führen also gleichermassen zu Frust. Ohne Feedbackschleifen bleiben solche Probleme lange unbemerkt, bis es zu spät ist. Individuelle Begleitung und so viel Unterstützung wie nötig und willkommen sollte die richtige Strategie lauten, denn jeder Mensch empfindet und reagiert anders.

Die Wirkung von gutem Onboarding ist messbar

Die gute Nachricht: Unternehmen, die mit durchdachtem Onboarding aktiv gegen Frühfluktuation vorgehen, sind erfolgreich und profitieren. Und das lässt sich durchaus messen, wie zahlreiche Studien dokumentieren:

  • Ein strukturiertes Onboarding erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende drei Jahre im Unternehmen bleiben, um 69 % (newployee.com).
  • Die Mitarbeiterbindung ist in Unternehmen mit definiertem Onboarding-Prozess um 82 % höher (hrchief.com).
  • Die Produktivität neuer Mitarbeitender steigt um bis zu 50 %, wenn das Onboarding überzeugt (hrchief.com).
  • Weitere Studien belegen: Wer innerhalb der ersten 30 Tage strukturiert betreut wird, fühlt sich um 58 % engagierter und um 38 % loyaler gegenüber dem Unternehmen (zippia.com).

Was erfolgreiche Unternehmen anders machen

Wir fassen kurz in vier Punkten zusammen, wie und in welchen Bereichen sich Unternehmen mit wenig Frühfluktuation und guter Mitarbeiterbindung von weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheiden. Mehr Details finden Sie in unserem Blogartikel zum Thema Onboarding als Schlüssel zur Mitarbeiterbindung – skillcloud AG :

  1. Klare Onboarding-Pläne: Sie setzen auf zeitlich definierte Ziele, Aufgabenlisten, Check-listen, vor allem für die ersten 4 Wochen.
  2. Mentoring & Begleitung: Sie sorgen für eine/n feste/n Ansprechpartner/in, der/die beim Ankommen hilft, nicht nur job-bezogen, sondern auch emotional und kulturell.
  3. Frühes Feedback: Sie setzen von Beginn an kurze, regelmässige Gespräche an, in denen die neuen Mitarbeitenden sich zu ihren ersten Erfahrungen äussern können. Das vermittelt Sicherheit und ermöglicht frühe und rechtzeitige Kurskorrekturen.
  4. Echte Willkommenskultur: Menschen spüren, ob ihr Start vorbereitet war – oder eher ein «Hoppla, du bist schon da?».

Fazit: Frühbindung statt Frühfluktuationen, weil es sich lohnt

Onboarding muss mehr sein als die Übergabe des Laptops. Es ist die erste – und vielleicht wichtigste – Massnahme in der Mitarbeitenden-Bindung. Frühfluktuation lässt sich in vielen Fällen vermeiden, wenn Unternehmen verstehen, dass es die ersten Tage sind, die entscheiden, ob ein Talent bleibt – oder geht. Unternehmen, die Onboarding nicht als lästige Formalität, sondern als unbedingt notwendiges strategisches Element der Mitarbeiterbindung sehen, haben hier klar die Nase vorn und sie sparen langfristig gutes Geld. Denn die Kosten, die Unternehmen für die wiederholte Suche nach Mitarbeitenden investieren müssen, schenken so richtig ein! Deshalb macht es viel mehr Sinn für Unternehmen, Zeit und Geld in ein strukturiertes Onboarding von langfristig loyalen Mitarbeitenden zu investieren.

 

Jan Schmitz-Elsen skillcloud AG
Jan Schmitz-Elsen, Team Lead Talent Acquisition

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jan.schmitz@skillcloud.ch

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